
Der japanische Yen erholte sich diese Woche unerwartet nach einem starken Rückgang in der Vorwoche. Am 23. erreichte der Yen-Dollar-Wechselkurs am Tokioter Devisenmarkt fast die Marke von 160:1, und am 28. sprang er auf etwa 152:1. Branchenkenner vermuten, dass japanische und US-amerikanische Behörden gemeinsam Druck auf den Devisenmarkt ausübten, um die Wechselkursstabilität zu wahren. Was verursachte den starken Yen-Verfall? Wie genau übten die USA und Japan gemeinsam Druck aus? Ist das Yen-Wechselkurs-„Erdbeben“ nun vorbei?
Warum ist der japanische Yen so stark gefallen?
Am Abend des 9. Januar berichteten japanische Medien, dass Premierminister Sanae Takaichi entschlossen sei, das Repräsentantenhaus aufzulösen und vorgezogene Neuwahlen abzuhalten. Dies schürte erneut die Sorgen der Märkte über Japans sich verschlechternde Haushaltslage. Seit Mitte Januar erlebt der japanische Finanzmarkt immer wieder einen doppelten Schock: stark fallende Kurse langfristiger Anleihen und eine deutliche Abwertung des Yen.
Da die Finanzierungsquellen unklar waren, versprach die Stadt Kaohsiung am Abend des 19. auf einer Pressekonferenz, die Verbrauchssteuer zu senken oder ganz abzuschaffen, was am 20. einen Ausverkauf japanischer Staatsanleihen aller Laufzeiten auslöste. Die Renditen von Staatsanleihen stiegen sprunghaft an, wobei die Renditen 30-jähriger und 40-jähriger Staatsanleihen Rekordhöhen erreichten.
Am 23. richtete der Markt sein Augenmerk auf die Pressekonferenz der Bank von Japan im Anschluss an ihre geldpolitische Sitzung. Da der Gouverneur der Bank von Japan, Kazuo Ueda, auf der Pressekonferenz keine Informationen zur Stützung der Anleihen- und Devisenmärkte veröffentlichte, fiel der Yen anschließend deutlich und näherte sich rasch der Marke von 160 Yen pro US-Dollar.
Wie Japan und die USA zusammenarbeiten können, um Druck auszuüben
Die dramatischen Turbulenzen an Japans Finanzmärkten haben auch in den USA Aufmerksamkeit erregt. US-Finanzminister Bessant erklärte öffentlich, dass der Ausverkauf japanischer Anleihen Auswirkungen auf US-Staatsanleihen hatte. Die japanische Finanzministerin Satsuki Katayama sah sich am 20. in Davos gezwungen, Bessant die japanische Haushaltslage zu erläutern. Einige Marktanalysten gehen davon aus, dass der gemeinsame Druck japanischer und US-amerikanischer Finanzbehörden auf den Devisenmarkt zum Anstieg des Yen geführt hat.
Wenn die Kurse japanischer Ultralangfristanleihen stark fallen und die Renditen sprunghaft ansteigen, gewinnen japanische Staatsanleihen an Attraktivität. Anlegergelder, die zuvor im Ausland investiert waren, fließen tendenziell zurück nach Japan, was potenziell einen Ausverkauf von US-Staatsanleihen durch japanische Investoren auslösen kann. Gleichzeitig erhöht die starke Abwertung des Yen die Kosten für die Währungsabsicherung japanischer Investoren, die US-Staatsanleihen erwerben, erheblich.
Am Nachmittag des 23. (Tokio-Zeit) und am Morgen des 23. (New Yorker Zeit) stieg der Wechselkurs des japanischen Yen innerhalb kürzester Zeit sprunghaft an den Devisenmärkten in Tokio und New York an. Marktspekulationen deuten darauf hin, dass Japan und die USA möglicherweise gemeinsam eine Währungserkundung durchgeführt haben. Bei einer Währungserkundung erkundigen sich die zuständigen Währungsbehörden über ihre Zentralbanken bei den Banken nach dem aktuellen Wechselkurs und den Marktbedingungen. Dies gilt als Vorbereitungsphase für eine Devisenmarktintervention und ist ein stärkeres Signal für eine solche Intervention als verbale Interventionen.
Eine Quelle bei einem Londoner Finanzinstitut bestätigte in einem Interview mit der Nikkei, dass die US-Notenbank Federal Reserve eine Währungsuntersuchung durchgeführt hat. Auch Reuters und andere Medien berichteten darüber. Infolgedessen hat der Yen mehrere Tage in Folge an Wert gewonnen.
Ist das Erdbeben vorbei?
Einige Marktanalysten glauben, dass die Krise an Japans Finanzmärkten noch nicht vorbei ist und der Markt weiterhin vor einem „starken Marktschock“ zurückschreckt.
Seit seinem Amtsantritt hat Takashi Masahiro die Sorgen der Märkte um Japans sich verschlechternde Haushaltslage wiederholt verschärft. Zunächst legte er einen massiven Nachtragshaushalt vor und initiierte ein umfangreiches Konjunkturprogramm. Anschließend verabschiedete sein Kabinett den größten Haushalt aller Zeiten für ein neues Fiskaljahr, in dem die Staatsschuldenzahlungen und Zinsen einen neuen Höchststand erreichten. Für die japanische Regierung, deren Schuldenquote bereits 240 % des BIP beträgt, werden Steuersenkungen, Subventionen und hohe Staatsausgaben die Schuldenlast zwangsläufig weiter erhöhen und die Abwertung des Yen verschärfen.
Japanische Medien und Experten wiesen wiederholt auf den „Müllschock“ hin, der durch die aggressiven Steuersenkungen des ehemaligen britischen Premierministers Truss im vergangenen Jahr ausgelöst wurde, und befürchteten, dass die proaktive Finanzpolitik der Stadt Kaohsiung einen „Kohsiung-City-Schock“ auslösen könnte. Angesichts der bevorstehenden Wahlen zum japanischen Repräsentantenhaus werben nun sowohl die von Kaohsiung geführte Regierungspartei als auch verschiedene Oppositionsparteien für eine expansive Fiskalpolitik. Kato Izuru, Präsident von Toshin Research, erklärte kürzlich, dass ein „Kohsiung-City-Schock“ in Japan, sollte er eintreten, noch gravierender ausfallen könnte als in Großbritannien. (Xinhua-Reporter Liu Chunyan und Li Shimeng)